Paris, Juni 2013

Das machen wir beim nächsten Mal

oder: Einmal bitte Füße amputieren

Paris

Wo sind wir hier?

Paris ist die Hauptstadt Frankreichs, auch als Stadt der Liebe bekannt. Es ist eine Stadt, die viel von ihrer Vergangenheit und von der Ästhetik des Zerfalls lebt; Sie ist schnelllebig, stressig, aber bietet alles, was man sich vorstellen möchte, wie auch Joe Dassin das in seinem Lied “Aux Champs-Élysées” schon feststellte. Paris ist keine Stadt, die mit einem Mal gesehen ist, man besucht sie besser öfter und jeweils für kurze Zeit, um ihrer nicht überdrüssig zu werden. Ihr Wahrzeichen: Der Eiffelturm!
Paris verfügt über einen inneren Ring, der eingeteilt ist in 20 sogenannte Arrondissements, und der vom Périphérique, der meistbefahrenen Straße Europas, umgeben ist. Darum verteilt findet man die “Banlieue”, die Vorstadt, die durch die Aufstände von 2005 zwar begrifflich eher negativ konnotiert sind, eigentlich aber je nach Viertel mal wirtschaftlich schwach, mal stark angesiedelt sind.

Unsere Reise

Da wir im Sommer aufgrund zahlreicher universitärer Verpflichtungen keine Zeit für großartige Reisen haben, beschlossen wir spontan, ein Wochenende in Paris zu verbringen. Spontan heißt hier anderthalb Wochen im Voraus.

Paris

Paris – Avenue des Champs-Elysées

Alleine bei der Suche nach einem Hotelzimmer hätten wir fast aufgegeben. Ein privat vermietetes Zimmer oder doch lieber im Hotel? Vieles war schon ausgebucht oder einfach viel zu teuer! Am Ende hat’s der Preis entschieden: Wohlbekanntes Ibis, diesmal in Pantin am nordöstlichen Périphérique.

So sind wir am Donnerstag Nachmittag nach der Vorlesung losgefahren. Berufsverkehrsstau hatten wir natürlich trotzdem, Belgien schafft es einfach immernoch nicht, seine Autobahnen in Ordnung zu bringen (dazu findet ihr bald einen eigenen Unterpunkt in den Reisetipps), der Périphérique  war genau an der falschen Stelle geschlossen und so kamen wir erst um halb 12 in der Nacht am Hotel an.

Am Freitag haben wir uns nach dem Frühstück also erstmal um ein Ticket gekümmert: Paris visite für 2 Personen und 3 Tage. Eigentlich dachten wir, wir bräuchten das Ticket nur für Zonen 1-2, verkaufen konnte uns der Junge Herr am Schalter allerdings nur Zonen 1-3, was den Preis mal grad verdoppelte. Aber: Dank der damit verbundenen Vergünstigungen immernoch günstiger als 3mal Tagestickets zu nehmen. Mit dem RER ging’s dann also nach Paris rein – bis Paris Saint-Lazare.

Printemps

Printemps

Der Bahnhof ist einer der größten in Paris und man muss ein wenig suchen, um hochzukommen. Lange mussten wir nicht laufen, um das große Kaufhaus “Printemps” zu finden, dessen Dachterrasse einen wunderbaren Ausblick über ganz Paris bietet und als erster Punkt einer Paristour super geeignet ist! Natürlich knipsten wir uns jetzt schon die Finger wund! Auch ein kleiner Abstecher in die Galeries Lafayettes direkt nebenan lohnt sich (auch wenn man nicht shoppen möchte): Die Kuppel und die Logen bieten einen wunderschönen Anblick!

Nachdem wir uns bei Mc Donalds schnell ein großes Kaltgetränk geholt hatten, ging’s direkt weiter zum nächsten Programmpunkt: Der Arc de Triomphe! Zugang findet man unterirdisch (wie auch sonst?!).

Der Arc de Triomphe

Der Arc de Triomphe

In der Unterführung fing am Freitag auch schon die Schlange für die Kasse an. Bis zum wunderschönen Alter von 25 Jahren ist der Eintritt gratis, darüber kostet der Eintritt 9,50€. Mit dem Paris-visite Ticket gibt es 20% Rabatt. Nicht nur das lohnt sich also, sondern auch, die ca. 300 Stufen hochzulatschen: Ja, man kommt oben total fertig und verschwitzt an (Klimaanlage(-)!), und muss erstmal durchatmen. Aber der Ausblick ist toll! Wer Höhenangst hat, sollte allerdings vielleicht nicht unbedingt bis an den Rand gehen.

Ausblick auf eine Avenue

Während man durchatmet, hat man Zeit, den Flyer zu lesen: Da steht, dass der Triumphbogen ein Versprechen Napoleons an seine Truppen war: “Durch Triumphbögen sollt ihr als Helden heimkehren!”  Nicht nur gehen von ihm 12 Avenuen sternförmig ab (weswegen man den Platz auch als Etoile bezeichnet), sondern er ist auch Teil der historischen Achse, die durch Paris verläuft und die auch die Pyramiden des Louvre und als Verlängerung die Grande Arche in der Défense beinhaltet. Diese stört übrigens ein wenig, denn sie ist aus statischen Gründen um 6,5° verschoben. Darüber kann man dann, nachdem man Photos gemacht hat und den Ausblick genossen hat, auf den ca. 300 Stufen nach unten weitermeckern. Als hätten uns jetzt die Füße noch nicht genug wehgetan, mussten wir unbedingt weiter, denn wir hatten ja ein umfangreiches Programm geplant!

Das sah als nächstes das Musée d’Orsay vor, auf dessen Weg man ein wenig durch die Tuilerien spazieren kann. Was? Nicht den Louvre? Nein! Die Impressionisten sind doch  viel beeindruckender und schöner! Also mal schnell erläutert. Im Louvre findet man die ganze Kunst, bevor’s spannend wurde, sprich: bis ca. der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Eingangshalle des Musée d'Orsay

Die große Halle im Musée d’Orsay

Hier setzt dann das Musée d’Orsay an, das die Kunst von 1848 bis 1914 beherbergt. Alles, was danach kam, also die moderne Kunst, findet man dann im Musée National d’Art Moderne (Das findet man übrigens im Centre Pompidou). Wieder kommt man unter 26 Jahren gratis rein, ein Erwachsener zahlt dafür 10,50€, die sich aber unbedingt lohnen! Das Musée d’Orsay ist ein Überbleibsel der Regierungszeit von Valérie Giscard d’Estaing. (Fast) Alle Präsidenten Frankreichs haben sich nämlich in der Stadt verewigt: Georges Pompidou hat das Centre Pompidou errichten lassen, Giscard d’Estaing das Musée d’Orsay umbauen lassen, Francois Mittérand hat Paris die Pyramide des Louvre, die Grande Arche sowie die Bibliothèque Nationale de France ermöglicht, Chirac hat mehrere kleine Bauten hinterlassen und Sarkozy… naja, der hatte eben nicht genügend Zeit. Also zurück zum Musée d’Orsay: Das war nämlich mal ein alter Bahnhof, von dem Giscard d’Estaing die grandiose Idee hatte, ihn in ein Museum zu verwandeln. Das gibt der Eingangshalle einen besonderen Charme, nicht nur optisch, sondern auch akkustisch erinnert die Halle immernoch an einen Bahnhof. Ganz oben in der 5. Etage findet man dann die Impressionisten! Es ist schon beeindruckend, vor einem Original Monet zu stehen, die Pinselführung zu betrachten und sich vorzustellen, wie ein Claude in seinem Garten sitzt und immer wieder so fasziniert von den Lichtverhältnissen ist, dass er ein und dasselbe Motiv immer und immer wieder malen muss, und jedes Mal eine andere Stimmung festhält. Stundenlang könnte man hier stehen und träumen, aber irgendwann muss man ja auch mal weitergehen. Doch was findet man am Ende der Impressionistenhalle? Zwei bequeme und einladende Sofa-Installationen, in denen man dann doch nochmal ein bisschen die Füße ausruhen möchte. Aber man sollte die Zeit besser nicht aus dem Auge lassen, wenn man noch mit einem Bateau mouche fahren und auf den Tour Montparnasse hoch möchte.

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