Languedoc – Roussillon, Juli 2011

Zirpende Sommerträume

Wo sind wir hier?

Das Landuedoc – Roussillon ist eine Region in Südfrankreich, bestehend aus 5 Départements: Aude, Gard, Hérault, Lozère und Pyrénées-Orientales. Die Hauptstadt dieser Region ist Montpellier.
Narbonne liegt im Département Aude, dessen Chef-lieu (also Hauptstadt) Carcassonne ist. Narbonne zeichnet sich dadurch aus, die erste römische Kolonie außerhalb Italiens zu sein. Wer nach Narbonne kommt, sieht daher zuerst eine Statue der römischen Wölfin. Übrigens: Der berühmte Sänger Charles Trenet ist Sohn der Stadt.
Carcassonne ist vor allem bekannt als ville fortifiée. Die Altstadt ist also von Mauern umgeben und gilt seit 1997 als Weltkulturerbe.

Unsere Reise
Im Juli 2011 traten wir unseren ersten richtigen gemeinsamen Urlaub an. Auf ging’s nach Südfrankreich, nach Narbonne. Dort konnten wir bei Freunden schlafen.
Die haben uns auch direkt die Stadt gezeigt. In einem Spaziergang durch die Stadt entlang des Canal de la Robine sahen wir viele hübsche Häuser in verschiedenen Stilen, außerdem das hübsche Rathaus, das übrigens zwei Museen beinhaltet. Direkt hinter dem Rathaus befindet sich die Kathedrale. Eigentlich wollten wir auch einen Ausflug zum Weingut von Pierre Richard machen, dem berühmten französischen Schauspieler. Dazu sind wir leider nicht mehr gekommen… Vielleicht ein anderes Mal.

Gewürze an der Markthalle

Dafür haben wir in Narbonne den kleinen Markt besucht, der an beiden Ufern des Canal aufgebaut ist. Er unterscheidet sich nicht großartig von anderen Märkten, um ehrlich zu sein. Dafür ist die Markthalle sehr hübsch. Von Gewürzen über Unmengen an verschiedenen Fischsorten bis hin zu Gemüse und jeder Menge Fleisch findet man hier alles.

Viel Zeit haben wir natürlich auch an den Stränden verbracht, nämlich am Strand von Gruissan und am Strand Narbonne Plage. Besser gefallen hat uns der von Gruissan. Das Besondere an Gruissan sind die Häuser. Ursprünglich waren diese lediglich auf Stelzen gebaut, um dem Wasser zu entgehen (“pilotis”). Berühmt sind diese übrigens aus dem Film “Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen”, in dem sie als wunderschöne Kulisse fungierten. Heute sind die Zwischenräume jedoch unterbaut, weswegen man leider nicht mehr viel davon sieht.

Gruissan

In Gruissan selbst thront eine Ruine inmitten der Stadt, dessen Ansicht aus der Ferne in Kombination mit den Weinfeldern und dem Zirpen der Grillen sehr pittoresk wirkt. Überhaupt wird hier jede Fahrt über Autobahn oder Landstraße von einem Zirpkonzert vom Feinsten begleitet. Auch ein Besuch vor Ort lohnt sich. Auf dem Dorfplatz spielen die Herren Boule unter Palmen, und der Steg am Wasser bietet ein tolles Photomotiv. Das haben wir natürlich auch zur Genüge genutzt. Dann wollten wir hoch zur Ruine. Wir parkten irgendwo an einem kleinen Parkplatz, von wo aus wir hochlaufen wollten.. Leider kamen wir immer wieder in kleine Sackgassen, und da wir den Weg einfach nicht finden konnten, liefen wir unter dem Gelächter der zirpenden Grillen zurück zum Auto.
Übrigens gibt es in der Gegend mehr ungewohnte Töne als nur den konstanten Gesang der Grillen: Die Franzosen dort sprechen nämlich Okzitanisch. Das ist kein Dialekt, sondern, wie bretonisch auch, eine richtige Sprache. Wer gut hinhört und französisch kann, der wird die Ortsansässigen dennoch verstehen. Doch keine Sorge: Natürlich können die Menschen hier auch das normale Französisch, auch wenn hier und da ein Wort anders ausgesprochen wird.

Der Sommer hier am Mittelmeer ist unglaublich heiß. Obwohl wir im Erdgeschoss mit offenem Fenster und Ventilator schliefen, fiel uns selbiges schwer. Was für ein Glück, dass wir uns morgens nach dem Aufstehen als auch abends nach den Ausflügen sofort im angenehmen Wasser des Pools abkühlen konnten.

Zwischen den Mauern

An einem Tag sind wir nach Carcassonne gefahren. Wir kannten die Stadt vorher nur vom Spiel “Carcassonne” aus dem “Hans im Glück”-Verlag. Der Weg von Narbonne nach Carcassonne dauert in etwa eine Dreiviertelstunde. Auch ohne Navi ist die berühmte ville fortifiée schnell gefunden, sie ist ja auch schwer zu übersehen und gut ausgeschildert.

Die Cité ist abgeschottet durch zwei Außenmauern. Zwischen den Außenmauern gibt es einen erheblichen Abstand, so breit wie eine zweispurige Straße in etwa. Dort kann man auch wunderbar spazierengehen und durch Öffnungen in der äußeren Mauer den Blick auf die Landschaft genießen. Das haben wir natürlich genutzt. Doch Vorsicht: Teilweise gibt es Mäuerchen, auf denen zu Balancieren für Kinder unwiderstehlich ist und die nicht durch Geländer abgesichert sind!
Intramuros fällt die Orientierung etwas schwer. Es gibt viele verwinkelte Gassen, der Eindruck erinnert an den Mont Saint Michel… Nur eben etwas größer. Wir haben uns die Kirche angesehen, sind durch die Gassen geschlendert, haben ein paar Souvenirs gekauft und ein Eis in mittelalterlicher Atmosphäre gegessen. Natürlich hätten wir auch eine Führung machen können, oder uns die im Office de Tourisme verfügbaren Faltblättchen durchlesen können. Aber das ist eben nicht so spannend, wenn man mit Kindern dort ist.

Blick auf die Stadt

Eines der Faltblättchen haben wir dann auf der Rückfahrt im Auto gelesen. Darin stand eine nette Anekdote über die Namensherkunft der Stadt. Während einer Besetzung der Burg fielen mehr und mehr Bewohner dem Hunger zum Opfer. Um die Besetzung zu beenden, dachte sich Madame Carcas einen Plan aus: Sie mästete ein Schwein, bis es schön fett war und warf es von den Mauern. Die Besetzer gingen daher davon aus, man müsse wohl einiges davon haben, wenn man sie jetzt schon von den Mauern werfe… So gaben sie auf. Zur Feier der Befreiung ließ man die Kirchenglocken läuten und sagte: “Madame Carcas sonne.” (Frau Carcas läutet).
Weiter stand in dem Blättchen, dass man die Festung zum Zwecke der Handelskontrolle errichtet haben soll. Archäologische Funde weisen auf erste Besiedlungen im 6. Jahrhundert vor Christus hin. Viele römische Elemente in der Bebauung der Festung zeigen, dass die erste nachgewiesene Besiedlung durch Römer schon wenige Jahre vor Christus stattgefunden hat.
Neben Andorra hat uns Carcassonne von allen Ausflügen mit am besten gefallen.

Natürlich haben wir auch kleinere Ausflüge gemacht, oft verbunden mit anschließendem Strandbesuch. So sind wir an einem Nachmittag, bevor wir an den Strand gefahren sind, in eine Keksfabrik gefahren, durch die man eine Führung machen kann. Leider waren Führungen zu dem Zeitpunkt nicht möglich. Nur der Shop war auf. Also kauften wir eine Dose mit selbst zusammengestellten Keksen. Die Dose bekamen wir gratis, weil wir einen Gutschein aus dem örtlichen Veranstaltungsführer hatten (den kann man im Office de Tourisme in Narbonne gratis erhalten). Die Kekse waren ganz nett, aber eigentlich zu teuer. Besser fanden wir die Lutscher, die man dort kaufen konnte.

Die Woche gab uns auch die Gelegenheit, die “Miellerie des Clauses” zu besuchen, eine Bienenfarm. Dort haben wir viel über das Leben einer Biene erfahren, sowie natürlich über die Herstellung von Honig. Das war sehr interessant und natürlich konnten wir im Nachhinein auch verschiedene Honigsorten probieren.

Im Gegensatz zu Bienen, die tatsächlich an Erschöpfung und Überarbeitung sterben,  haben wir es uns also richtig gut gehen lassen… Toller Urlaub!

Unsere Tipps

  • Für Fans: Pierre Richard hat ein eigenes Weingut in Gruissan, namens “Château Bel Évêque”. Hier geht’s zur Seite.
  • Generell ist es zu empfehlen, mal ein Weingut (“une cave”) in der Ecke zu besuchen und an einer Weinverkostung teilzunehmen.
  • Wer sich eine Ferienwohnung oder Zimmer mietet, sollte wegen der Hitze darauf achten, etwas mit Pool zu erlangen.
  • In Carcassonne sollte man auf jeden Fall oben an der Citadelle parken, bloß nicht unten in der Neustadt. Das lohnt sich nicht.
  • Wer Glück hat und zufällig zu einer Zeit dort ist, zu der es Feste in der Burg gibt, der sollte dies nutzen. Wir glauben, dass dies durchaus sehenswert ist.
  • Man kann auch eine Führung durch die mittelalterliche Altstadt machen. Ob sich das lohnt, wissen wir nicht, da wir das nicht gemacht haben. Wir waren im Vorhinein wohl etwas schlecht informiert.

Links

 

Artikel von Béatrice

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