Tréguier und Minihy-Tréguier, März 2011

Heilige Anwälte

Wo sind wir hier?
Tréguier (gesprochen “Tregje”) ist eine Stadt in der Bretagne, im Département Ille et Vilaine (35). Es ist die Heimatstadt des Heiligen Yves (mit vollem Namen “Yves Hélory de Kermartin”), dem Schutzheiligen der Juristen. Somit ist auch der 19. Mai ein bretonischer Feiertag geworden.

Unsere Reise
Wir sind im März 2011 nach Tréguier gefahren. Unsere Idee war, unsere Chancen für’s Examen zu steigern. Ja… Das mag unfair gegenüber den anderen Kandidaten gewesen sein, aber die hätten ja auch hinfahren können!
Informiert hatten wir uns im Vorhinein nur bei der Familie. Die hatte uns dringend empfohlen, auf dem Dorfplatz gegenüber der Kirche in den Laden mit den “Croquants” zu gehen. Außerdem haben wir uns natürlich die Landkarte angesehen und entschieden, auf dem Weg nach Tréguier in Saint Brieuc und in Paimpol zu halten – gesagt, getan.

Auf dem Weg in die Bretagne fiel uns hinter Saint Malo mehr und mehr auf, dass Ortsschilder nicht mehr nur auf französisch, sondern auch auf bretonisch geschrieben standen.  Natürlich wurden die Ortsnamen auch immer außergewöhnlicher. Typisch bretonische Ortsnamen zeichnen sich oft durch Endungen auf -ic oder -ac aus. Noch ursprünglicher ist sogar die Endung -ac’h (Wie bei Ploumanac’h). Bretonisch ist übrigens eine eigenständige Sprache, die dem keltischen entspringt und heute leider nur noch sehr wenig gesprochen wird. Daher steht es auch kurz davor, auszusterben. Man kann es aber lernen, und zwar an der Université de Brest und an der Université de Rennes.

Erster Fingerzeig nach Tréguier

Saint Brieuc hat eine sehr hübsche Innenstadt, die von typisch bretonischen Steinhäusern und einer Kathedrale geziert wird. Auch das Bahnhofsgebäude sticht mit seiner Kuppel heraus. Überrascht wurden wir von ersten “Wegweisern” nach Tréguier: Ein Bar-Restaurant mit Namen “Le barreau” fiel uns am Ortsausgang auf. Barreau ist, ähnlich wie das englische bar eine Bezeichnung für die Zugangsberechtigung zum Anwaltsberuf und Richteramt.

In Paimpol haben wir auch angehalten. Daran erinnern wir uns noch. Wir wissen auch noch, dass wir dort im Office de Tourisme waren. Ob wir aber mehr als nur das und den kleinen Hafen gesehen haben, das wissen wir nicht mehr. Irgendwie haben wir auch keine Photos von Paimpol. Mehr haben wir dort also offenbar wohl nicht gemacht, als uns eine Straßenkarte der Bretagne zu holen.

Saint Tugdual in Tréguier

Tréguier war recht schnell gefunden. So schnell, dass wir tatsächlich ganz plötzlich schon an der Kathedrale “Saint Tugdual” waren. So war diese auch unser erstes Ziel. Glücklicherweise waren wir noch rechtzeitig da. Die Kirche ist sehr hübsch. In einer Ecke waren Szenen aus dem Leben des Heiligen Yves aufgezeigt. Daneben befanden sich seine sterblichen Überreste. Wir zündeten eine Kerze an und beteten, er möge uns seinen Segen geben, dass wir beide die Möglichkeit bekommen würden, gute Juristen zu werden. … Bei einem von uns beiden hat das übrigens auch schon geklappt! Die 50%ige Erfolgsquote sollte also für jeden zukünftigen Juristen Grund genug sein, auch einmal dort hinzufahren. :)
Der Aufseher ließ uns respektvoll zu Ende beten, und schloss hinter uns die Kirche ab.

Die Kirche in Minihy-Tréguier

Danach haben wir uns ein wenig im Ort umgesehen. Viel gibt es da nicht. Der Dorfplatz um die Kirche herum ist überschaubar. Dennoch gibt es alles, was das Herz begehrt. Eine Brasserie, ein Café, ein oder zwei kleine Touristenläden, eine Crêperie und einen Laden mit “Croquants.” Croquants, das sind sehr zuckerhaltige Plätzchen, oft mit Mandeln oder anderen knusprigen Inhalten. Es sieht etwas aus wie durch Karamell verbundene Mandelstücke. Unten findet ihr auch einen Link zum Rezept.
Vor Ort haben wir somit auch ein bisschen Zeit verbracht. In einem Café haben wir uns dann hingesetzt, um Postkarten schreiben (ja, wir schreiben noch Postkarten!)…. Doch wie sagt man auf bretonisch Hallo oder Tschüß? Wir wollten doch unsere Freunde auf bretonisch grüßen! Kein Problem. Die Leute im Café, die übrigens so aussahen, als säßen sie dort jeden Tag, waren sehr hilfbereit und nach einer kleinen Diskussion untereinander halfen sie uns auch bei der Rechtschreibung der befremdlichen Begriffe. Außerdem gaben sie uns eine Wegbeschreibung nach Minihy-Tréguier, dem Ort, an dem der heilige Yves gegen 1250 geboren wurde.

Der kleine Ort wie ausgestorben

Minihy-Tréguier ist ein sehr kleiner Ort, der wirklich nur eine kleine Kirche beherbergt.

Da es schon abends war, war diese auch leider schon geschlossen. So besuchten wir ein wenig den Friedhof, auf dem sich ein kleiner alter Altar befindet, der von Pilgern wohl auch immernoch aufgesucht wird, und schossen ein paar pittoreske Photos des kleinen ausgestorbenen Ortes.

So fuhren wir im Dunkeln nach Hause uns gedenken noch heute dem heiligen Yves.

Unsere Tipps
Neben der Kirche des Dorfplatzes gibt es einen kleinen Laden mit “Croquants”. Die sind sehr zu empfehlen. Tréguier erfüllt die Idee, die wir von der Bretagne hatten, wohl mit am Meisten. Auch, wer kein Jurist ist, kann sich an den beiden kleinen Orten sehr erfreuen. Gegebenenfalls könnte man diesen Ausflug auch auf dem Weg in’s Finistère machen.

Links

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>